Seit 5 Jahren also bin ich Mama. Das klingt nach sooo wenig!
5 Jahre. Eigentlich ein Lufthauch aber ich habe das Gefühl, ich bin schon
eeewig Mama. Was ein gutes Zeichen ist. Will nämlich heissen, dass ich mich
bestens in meine Rolle eingelebt habe und mich mehr oder weniger wohl und
zurecht finde. Das kann man summa summarum tatsächlich so stehen lassen. Ist
auch nicht mehr so schwer mit zwei doch recht selbstständigen Kindern, von
denen eines jeden Morgen zum Kindergarten muss. Das bringt nämlich ziemlich
viel Routine und Fixpunkte in den Alltag, was einem das Mutterleben doch
merklich erleichtert. Vieles ist anders als vor 5 Jahren, wenn nicht sogar,
alles? Damals war ich den ganzen Tag alleine mit Baby zuhause in unserer alten
Wohnung. Ich hatte null Komma null Erfahrung im Umgang mit einem Säugling und
musste alles erst mal ordentlich in Erfahrung bringen. Ziemlich blauäugig bin
ich da hinein gerutscht. Erst mit dem zweiten Kind kam die grosse Erkenntnis,
was ich alles besser machen hätte können. Und erst beim dritten, schlussfolgere
ich, wird man wohl als Mutter so richtig zum Vollprofi. Aber soweit kommt es ja
längst nicht bei allen und so muss man sich eben beim 2. Kind Mut zusprechen,
im Sinne von „genügend reicht auch“.
Vor 5 Jahren also lebten mein Baby und ich in den Tag hinein, den wir irgendwie
selber mit Spazierengehen, Einkaufen, Babypflege und zahlreichen
Freunde-Treffen und Kursen (von PeKiP über Babyschwimmen bis zur Krabbelgruppe)
strukturierten. Bloss nicht zu lange zuhause hocken, da fällt einem doch die
Decke auf den Kopf! Und wenn abends endlich der Mann/Papa nach Hause kam, hab‘
ich ihm wahrscheinlich genervt das quengelnde Baby in die Hand gedrückt und
mich mal für 5min auf’s Klo verdrückt. So genau kann ich das nicht mehr sagen,
da müsst Ihr meinen Mann fragen.
Heute: total anders! Naja, fast. Abends erwarten meinen Mann nun eben eine
genervte Frau und wahlweise zwei quengelnde oder streitende Kinder. Aber
ansonsten: Wir leben in einem grosszügigen Haus in einer netten Gegend mit
Garten und genug Platz für jegliche spielerische Entfaltung. Der Kindergarten
und ein mittags heimkehrender Papa sorgen für eine wunderbare Struktur und
Ruhe. Spätestens seit der Grosse im Kindergarten ist, hat sich bei mir der
Drang, täglich irgendeine Unternehmung/einen Besuch etc. zu planen, in Luft
aufgelöst. Ich geniesse es total, die Nachmittage einfach nur gemütlich zuhause
zu verbringen. Die sind eh so fix um. Und mit Schwimmkurs am Di Abend,
Mittwochsplaydate, Wocheneinkauf auf Freitag und je nach dem noch Besuch vom
Nachbarskind, sind auch die Nachmittage schon relativ ausgebucht. Jeder wird
verstehen, dass ich da nicht auch noch den Rest unserer freien Zeit verplanen
will, zumal ab und an auch mal der Opa zu Besuch ist und wir gemeinsam etwas
unternehmen. Versteht mich nicht falsch, ich treffe mich gerne mit
Mamafreundinnen und schaue auch, dass ich zu den ganz engen regelmässig Kontakt
pflege. Aber weniger ist derzeit mehr und tut uns gut. Trotzdem freue ich mich
auf die sonnige Jahreszeit da uns Stubenhockern das Rausgehen natürlich auch
mal gut tut ;) Es gibt nur einen Wehmutstropfen: die Freunde meines Grossen,
die in unserer ehemaligen Heimat den Kindergarten besuchen, müssen meist auch
nachmittags hin und für spontane Spielplatzbesuche dann leider nicht mehr zu
haben. Ich merke dann auch, dass meinem Grossen das fehlt wenn wir nur zu dritt
auf den Spielplatz gehen. Ohne seinen Lieblingsspielplatzfreund A. wird es ihm
schnell langweilig und er will wieder nach Hause. Gut möglich also, dass wir in
der wärmeren Jahreszeit dann doch wieder einige Freunde kontaktieren – die, die
noch nicht im Kindergarten sind.
Wie habe ich mich
verändert?
Hmm, schwierig zu sagen. Einerseits bin ich noch derselbe Mensch,
andererseits leitet die Mutterschaft den Fokus doch auf ganz andere Dinge und
v.a. macht man vieles schlussendlich nicht unbedingt so wie man es vor der
Mutterschaft vlt getan hätte.
Innerlich hat mich die Mutterschaft sicherlich wachsen lassen. Ich bin
geduldiger, habe gelernt, meine Bedürfnisse zurück zu nehmen, das Materielle
hat an Bedeutung verloren, das Selbstbewusstsein ist vielleicht ein wenig
gewachsen weil man sich ja als Mutter nicht einfach hinter den Kindern
verstecken kann. War ich früher vielleicht nicht immer sehr gesellig, so
tausche ich mich heute sehr gerne mit anderen Eltern aus. Ich bin ja nicht mehr
im Büro und ständig von Leuten umgeben und gerade in der Elternschaft ist man
ohne das afrikanische Dorf ja oft sehr isoliert.
Die äussere Veränderung ist wohl die auffälligste, beginnend beim schwangeren
Bauch und endend bei den nach zwei Schwangerschaften noch übrig gebliebenen
Kilos, die noch hartnäckig an einem hängen. Vom Business Look mit Make-up und
schicken Kleidern zum Gammel-Ich mit Out-of-Bed-Frisur und hormongeplagtem
Teint inklusive ersten Fältchen, die auch über Nacht nicht mehr verschwinden.
Gerade die Elternschaft macht einem die Vergänglichkeit so wahnsinnig
schmerzhaft klar. Nach 5 Jahren bin ich klamotten- und kilotechnisch irgendwo
am Tiefpunkt angelangt und habe mir nun fest vorgenommen, daran endlich etwas
zu ändern – mit Ernährungsumstellung, Sport und indem ich letztens doch mal
wieder in ein paar ansehnliche Teile für die Garderobe investiert habe. Und zum
ersten Mal wurde mir klar, dass ich mit Ü30 wohl nicht nach dem gepunkteten
Hoodie aus der Yes-or-No-Abteilung (junge Mode also) greifen sollte und ging
weiter zur Damen-Abteilung, in der ich mich dann schrecklich jung fühlte aber
ich hab‘ was gefunden… Life’s a bitch!
Aber das gehört eigentlich mehr zum folgenden Abschnitt. Denn es ist keine
Frage der Persönlich- oder Eitelkeit, wie ich als Mutter so rumlaufe, sondern
schlicht zweckdienlich und zeitsparend. Nichts gegen Mütter, die sich gerne
stylen aber ich nutze die Zeit lieber für anderes… und ernsthaft: Mit schicken
Schuhen und teurer Jacke auf den Spielplatz? Nein, das werdet Ihr bei mir wohl
nicht mehr erleben.
Womit erleichtere ich
mir den Alltag?
Fünf grade sein lassen, form follows function, weniger ist mehr; alles, nur
nicht perfekt – das könnten so meine täglichen Mantras sein, beginnend in der
Erziehung und endend beim Haushalt, wobei die Ansprüche mit zunehmendem Alter
des Erstgeborenen höher werden. Vor fünf Jahren noch habe ich praktisch nie
gekocht, der Einkauf musste am Wochenende erledigt werden, geduscht wurde
abends, wenn der Mann da war, und noch im Wochenbett habe ich das Pyjama gar
nicht erst ausgezogen damit ich jede Schlafenszeit des Babys sofort mit einem
Power Nap im Bett nutzen konnte. Heute ist zwar längst nicht alles glänzend
hier, aber ich habe den Anspruch, regelmässig frisch zu kochen, die Wäsche
zeitnah zu erledigen und obendrauf auch noch für Ordnung zu sorgen. Gebügelt
habe ich schon vor meiner Schwangerschaft nur dann, wenn es nicht anders ging
(und als Berufstätige besass ich natürlich schon einige zum Knittern neigende
Oberteile…), mich juckt es aber heute immer mal wieder in den Fingern wenn ich
die welligen Küchentücher sehe. Ja, die habe ich früher gebügelt und ich werde
es sicherlich irgendwann wieder tun (wenn die Kinder mehr oder weniger in der
Schule sind, schätze ich mal ;) … aber heute spar‘ ich mir die Sisyphus-Arbeit
(denn nichts anderes ist sie). Ich ertappe mich regelmässig dabei, irgendwo die
Extra-Meile gehen zu wollen. Neuerdings räume ich nach dem Essen z.B. die Sets
weg weil ich den Tisch gerne in seiner ganzen Holzpracht sehe. Ich verräume die
herumliegenden Kleider der Kinder. Ich sortiere die Lego-Klein- und
Kleinstteile des Grossen. Ich wische manchmal Staub. Ich nutze den
Samstagmorgen für das Staubsaugen in der oberen Etage. Manchmal sogar mehr. Ich
erwäge, mit den Kindern Bastelarbeiten durchzuführen. Ich räume sporadisch
Schränke aus. Ja, alles Sachen, die durchblicken lassen, dass es hier sehr gut
läuft.
Was würde ich heute
anders machen wenn ich nochmals von vorne beginnen könnte?
Vieles. Ich würde von Geburt an die Attachement-Parenting-Schiene fahren
und alle Ratschläge, die irgendwas anderes andeuten, vehement abwehren. Die
Zweifel beim ersten Kind und dann das nichtsahnende Hören auf alteingesessenen,
autoritär angehauchten Quatsch – smash it! Ich bin mir verdammt sicher, dass
mein Sohn heute ein wenig einfacher wäre, wenn wir damals nicht das Gefühl
gehabt hätten, er müsse im Kinderwagen liegen und allein im Bett einschlafen.
Das steckt mir heute noch in den Knochen und wird mich bis ins Grab verfolgen.
Ich dumme Nuss hatte schon in der Schwangerschaft ein Tragetuch und ich weiss
heute noch nicht, weshalb ich es nicht täglich eingesetzt habe und nur ab und
zu damit spazieren ging. Vielleicht weil er im März auf die Welt kam und ich es
irgendwann für zu heiss befand, ich weiss es nicht. Aber ihm diese Nähe nicht
von Anfang an gegeben haben zu können, das schmerzt noch heute. Und mit 10
Monaten schon abgestillt wegen eines blöden Risses. Das würde mir nicht nochmal
passieren. Ach, und windelfrei hätte ich bei beiden Kindern ausprobiert, klar.
Das alles ist der Grund, weshalb ich Nestwärme gegründet habe und nun penetrant
versuche, die bedürfnisorientierte Erziehung ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu
rücken. Und damit bin ich nicht alleine. Immer mehr Mütter gehen diesen Weg und
es gibt mittlerweile auch genügend Bücher zum Thema – Bücher, die ich vor 5
Jahren gebraucht hätte.
Bei meiner Tochter habe ich dann endlich (mehr) auf mein Bauchgefühl gehört.
Aber auch hier wäre noch mehr drin gelegen. Windelfrei habe ich auch eher zu
spät entdeckt. Dennoch: Abgesehen davon, dass bei meinem Sohn sicherlich viel
schon vor der Geburt einfach vorbestimmt war (denn ich erkenne mich sehr, sehr
oft in ihm wieder, bei Dingen, die er aber nicht bei mir gesehen hat sondern
die er aus sich heraus so macht) und abgesehen davon, dass die Tochter auch
einfach einen ganz anderen Charakter ist und v.a. ein Mädchen, bin ich doch der
Überzeugung, dass mit ihr vieles so einfach ist, weil sie in den ersten Jahren
anders ins Leben begleitet wurde. Ich bin sicher, dass wir uns und ihr dadurch
viel erspart haben. Das war für uns der richtige Weg. Ich will nicht
missionieren, jeder soll und darf seinen eigenen Weg gehen und auch der
bedürfnisorientierte Weg ist variabel und individuell. Man soll ihn bitte
gehen, aber man darf ihn so gehen wie es eben zu einem passt.
Fazit
5 Jahre Mutterschaft – viel gelernt, viele Nerven und noch
mehr Schokolade verbraucht (mehr als je zuvor schätze ich ;), wenig geschlafen
(weniger als je zuvor ;), an den Aufgaben gewachsen und doch in vielem noch
suboptimal… Reue? Nein, niemals. Klar, man wünscht sich mal eine Auszeit. Man
will mal eine Woche ohne Kinder nur mit Mann an die Südsee (ein Lottogewinn
könnte nicht schöner sein), im Wissen, dass man sie schon auf dem Weg zum
Flughafen schmerzlich vermissen wird. Ein verlängertes Wellnesswochenende würde
es natürlich fürs erste auch tun. Aber zurück kann ich nicht und will es auch
nicht. Ich könnte mir ein Leben ohne Kinder nicht mehr vorstellen. Ein Leben
mit etwa älteren Kindern, die nicht mehr quengeln – ja, vielleicht. Aber die
Kinder werden schneller gross als man Pubertät buchstabieren kann und so
geniesse ich doch lieber noch ein wenig den Moment und genau das ist auch die
Kunst: Innehalten. Beobachten. Sein. Klingt nach Meditation. Und genau so wirkt
es auch. Macht das. Täglich. Immer wieder. Die Küche kann warten. Setzt Euch
einfach nur hin und beobachtet, wie die Kinder im Flow spielen. Gibt fast
nichts Schöneres. Und wenn sie sich 5min später wieder die Köpfe einschlagen,
könnt ihr immer noch die Pfannen abwaschen und ein bisschen „ommen“.
Die Prioritäten, die interessen verschieben sich. War früher noch die neue
Designerhandtasche Luxus oder der Städtetrip nach London, so ist es heute
schlicht die Zeit. Die Zeit, die wir miteinander verbringen, als Familie, mit
den Kindern aber auch die Zeit, die wir mal für uns alleine haben um die Seele
baumeln zu lassen, eigene Projekte zu verfolgen oder kinderlos fein essen zu
gehen… Glückliche Eltern, zufriedene Kinder – so soll es sein. Aber es fällt
keinem in den Schoss, man muss schon etwas tun dafür. Kinder zu haben, das ist
mit Sicherheit die grösste und verantwortungsvollste Herausforderung, die einem
das Leben bieten kann. Die härteste, aber auch die schönste, das schliesst sich
nicht aus ;)
Der Bericht über das Geburtstagskind folgt... ;)