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Sunday, September 26, 2010

Nota bene: 

Eine Mutter machte mich darauf aufmerksam. Festgesessen in eben genau dem Rollenbild, das frau seit geraumer Zeit versucht, umzustossen, habe ich in meinem vorangegangenen Beitrag die Männer unter den Tisch fallen lassen. Wo immer "Mütter" steht, kann man natürlich genau so gut "Väter" einsetzen. Das ändert aber nichts daran, dass die Kinderbetreuung nicht mehrheitlich in fremde Hände gehört. Die Eltern, egal ob schwergewichtig Mutter oder Vater - idealerweise beide, sollten die zentrale Bezugsperson des Kindes bleiben. Im Geburtsvorbereitungskurs wurde uns werdenden Eltern die Aufgabe gestellt, anzugeben, zu wie vielen Prozent wir nach Ende des Mutterschaftsurlaubs arbeiten werden und zu wie vielen wir gerne arbeiten würden. Dabei ging es lediglich um die Aufteilung Mutter-Vater. Die meisten gaben ein "Ist" an, bei dem der Vater zwischen 80 und 100%, die Mutter etwas weniger, beschäftigt sein wird. Das "wäre schön wenn" ergab meist ein 50-50.

Als meine Eltern sich diese Gedanken machen mussten, entschieden sie sich für das klassische Modell. Meine Mutter verdiente zwar mehr als mein Vater, wollte aber ihre Mutterrolle wahrnehmen und ihre Stelle aufgeben. Mein Vater wäre bereit gewesen, mich zu betreuen und Hausmann zu werden - was er immer wieder betonte, wenn meine Mutter sich über ihre Situation beklagte. Damit wäre er wohl, Anfang der 90er Jahre, eine exotische Erscheinung gewesen. Doch trotz Bänz Friedli sieht es heute, 30 Jahre später, nicht viel besser aus. 

Die Gesellschaft hat sich zwar in wenigen Jahrzehnten stark verändert, doch noch immer sind es die Mütter, welche ihre Beschäftigung einschränken oder aufgeben. Um dem entgegenzuwirken fördern die Regierungen Krippen, damit beides geht, anstatt, dass sie den Familien, die sich für eine (Beinahe-)Vollzeit-Betreuung ihrer Kinder durch Vater oder Mutter entschliessen, mehr Kindergeld in Aussicht stellen. So wäre wenigstens das finanzielle Problem keines mehr. 

Und noch einmal: Eltern müssen und sollen zur Arbeit gehen. Wer wann zuhause bleibt, ist egal. Wenn beide arbeiten, darf ein Engpass auch mal durch Fremdbetreuung (also Kita, Nanny oder Tagesmutter) ausgeglichen werden. Dem Kind wird's nicht schaden. Aber die fremde Obhut darf nicht die Überhand nehmen. 

Besser und ganz ohne Kitas hat man's früher gemacht und macht man es in anderen Kulturen noch immer: Das Zusammenleben in grossen Clans und Sippen sorgte dafür, dass die Kinder automatisch von mehreren Betreuungspersonen aufgezogen wurden. Eltern, Grosseltern, Onkel, Tanten, Geschwister, Nachbarn...

Thursday, September 23, 2010

Über die Arbeit

Während meiner Arbeits-Zeit habe ich mich an diesen Tagen am lebendigsten gefühlt, wenn ich bis 2 Uhr nachts im Büro sass weil nach einem Tag, an dem ich mehr oder weniger ausser Haus war auf den nächsten Tag drei Zeitungsseiten gestaltet, 20 Magazinseiten zum Layout freigegeben und zwei Texte zum Gut zum Druck verschickt werden mussten. Man ist wer, man ist wichtig, wenn sogar der Chefredaktor vor einem nach hause fährt. Natürlich geht sowas nur kurzfristig und das krasse Gegenteil, nämlich Däumchen drehen und warten, war viel häufiger der Fall. Solche Tage raubten mir völlig die Energie im Vergleich zu den erstgenannten, adrenalingeladenen Einsätzen. Und heute? Ich arbeite nicht bis 2 Uhr, nein, um 2 Uhr stehe ich bereits zum zweiten Mal auf und danach nochmals zwei mal. Als Mutter erledige ich einen 24/7-Job ohne Zvieripause und Wochenende. Ausschlafen? Was ist das? Wer bis 10 Uhr morgens im Bett liegt ist ein Schmarotzer und Tunichtgut! Oder so... Auf jeden Fall eine Belastung für die Gesellschaft, ja ja. Und jetzt das leidige Thema, ob Mütter zurück in die Mühlen sollen: Wenn sie nach der Kita-Rechnung noch Geld übrig haben, das sie brauchen um Reis und Mehl zu kaufen, dann von mir aus. Ist nicht mein Bier. Ist deren Problem, wenn sie das Wunschkind nur 2h täglich sehen und es sie erst nach drei Jahren Mama ruft, weil man ihm das so sagt. Wenn eine Mutter es für sich so zwei halbe Tage die Woche tut, sieht es anders aus. Was ich hingegen nicht verstehe, sind Mütter, die wieder 100% in den Job zurückkehren und behaupten es wäre für sie und das Kind gut. Es ist für beide nicht gut. Auch wenn die Mutter behauptet, sich am Wochenende ganz besonders viel Zeit zu nehmen für das Kind und zufriedener sei als die ungepflegte Vollzeitmutti. Es ist purer Egoismus, mehr als nötig zu arbeiten. Mutterschaft aber ist zu 99% Altruismus. Man muss so gut wie allem entsagen, was man vorher hatte. Man lebt plötzlich in Ego-Askese. So muss es eine Weile lang eben sein. Das Leben kommt dann schrittweise wieder zurück. Ich war und bin noch nicht wirklich bereit, mich so aufzugeben. Niemand hat mich davor vorbereitet. Und deshalb ist es so schwer, wenn man zum ersten Mal Mutter wird. Deshalb ist dieser Job der härteste von allen. Weil es an die Substanz geht, wenn dein Kind weint und weint und du es nicht beruhigen kannst. Es trifft dich ganz tief in deiner Seele. Und du existierst nur noch, um dieses kleine Wesen zu versorgen. Aber es hätte auch nichts genutzt, wenn mir das jemand gesagt hätte, denn wer glaubt das schon? Wie auch immer: Mütter die arbeiten gehen, flüchten ins kleinere Übel. Respekt vor denen, die sich der Vollzeit-Beschäftigung als Mami stellen. Sie werden zu richtig starken, belastbaren Frauen, die nachher keiner mehr anstellt. Seltsame Welt...