Tuesday, May 31, 2011

Update...

Ich muss sagen, seit meinem letzten Blogeintrag lief es bei uns sehr gut. Mein Sohn hat gerade eine angenehme Phase, ist relativ zufrieden, lacht häufig, interagiert und sucht auch mal Nähe. Die letzten Nächte waren ebenfalls besser denn je (wenn jemand nicht gut geschlafen hat, dann ich :P) und wir hatten ein schönes Familienwochenende mit viel Zeit füreinander. Jetzt hoffe ich natürlich, dass das so bleibt aber just, wenn's mal so gut läuft, kommt was dazwischen, nämlich unsere Reise nach Griechenland, die am Donnerstag startet. Der Reisetag wird mit Zwischenlandung und Aufenthalt in Athen deren Folge eine recht späte Ankunft in Santorini ist, sicherlich nicht gerade angenehm zumal wir mit Übergepäck und einem etwas handicapierten Bruder-Onkel-Götti reisen. Drückt uns die Daumen, dass wir das gut überstehen und v.a., dass unser kleiner Schatz in seinem Rhythmus nicht vollends durcheinander gebracht wird. Uff... das macht mir wirklich Sorgen und ist wohl der Grund, weshalb ich nächtelang stundenweise kein Auge zutun kann. Nun, meiner Mutter ging es immer so und sie musste sich gewiss weniger sorgen, ich war ja da schon grösser ;) Aber sei's drum.
Morgen steht, Trommelwirbel, mein 30.(!) Geburtstag an. Mein lieber Mann wundert sich wohl, dass ich deswegen mit keiner Wimper zucke, aber mir geht diese Zahl so ziemlich am A... vorbei. Vielleicht weil ich jetzt Mutter bin und 30 dafür ja nicht zu alt ist oder vielleicht gerade passt, vielleicht, weil ich mich so fühle wie ich mich halt fühle, vielleicht weil ich einfach zufrieden bin. Wieso sollte ich jetzt eine Krise schieben wegen der 3 in meinem Alter? Ich schätze bei einer 4 oder 5 sähe es anders aus, aber mit der 3 kann ich leben, ich weiss längst, dass ich keine 20 mehr bin ;) Ach ja, wer vorbeischauen will, ist herzlich eingeladen, wir haben eine riesige Brezel bestellt und die darf verspachtelt werden ;) Ab 14.30 Uhr ist Mama-Kind-Time, was das Durchschnittsalter der Party ziemlich senken wird, gegen Abend wird's dann wieder steigen... Zu lange woll'n wir aber nicht feiern, denn die nächsten Tage gibt's sicher nicht viel Erholung.
Ach ja: Heute war Premiere! Mit meiner Nachbarin zusammen war ich im Fitnesshaus und wir haben zum ersten mal unsere Kids allein in der Betreuung gelassen. Es klappte wider Erwarten ganz gut (kein Weinen!), was mir Hoffnung macht, in Zukunft wenigstens einmal die Woche vormittags trainieren zu können ohne mir Gedanken über einen Babysitter zu machen. Nur für's Yoga werde ich dennoch einen brauchen, diese Woche liegt's nicht mehr drin, leider, aber danach gehört das zu meinen Must do's, denn es tut mir einfach wahnsinnig gut. Also falls  es hier demnächst etwas leer bleibt: Am 12. sind wir zurück mit jeder Menge Erlebnissen und News :)

Thursday, May 26, 2011

Old habits die hard
Mein gestriger Blogeintrag hat mir im Nachhinein natürlich zu Denken gegeben. Also habe ich mir heute den Kommentar einer Kollegin vor Augen gehalten und mich gefragt: "Muss ich wirklich so oft raus?" Ich beschloss: Nein. Und blieb bis 20 vor 11 zuhause. Um 11 hatte ich einen Termin zum Reifen wechseln also musste ich da wohl raus. Um 10 Uhr wurde mein Sohn quengelig (müde) und ich hielt ihn hin weil ich ohne Kinderwagen war. Ansonsten wäre ich wohl mit dem Kinderwagen raus. Fazit: Irgendwann muss man einfach raus. Zumindest wenn man nicht zu den beneidenswerten Eltern gehören, die ihr müdes Kind zu jeder Zeit einfach ins Bettchen legen können. Und weil ich nicht immer Lust auf spazieren habe, zumindest nicht zwei mal täglich am selben Ort, nehme ich halt oft das Auto und erledige was, dies verbindend mit Babys Vormittagsschlaf.
So far so good wäre da nicht mein erneutes Versagen gewesen. Ich habe erst versucht, (mit und ohne Kind) zu frühstücken (unter zwei Anläufen deshalb) um mich anschliessend wieder mit leidigen Haushaltereien zu beschäftigen (Sachen in die Spüle räumen, Müesli nachfüllen, unter dem Tisch zu saugen etc.) nur um festzustellen, dass ich Monate zuvor schon mal beschlossen hatte, solche Sachen in Zukunft gen Abend zu verschieben, in die Schlafenszeit des Kleinen. Und da war ich wieder, Perfektionistin, die ich manchmal sein will, und wuselte um mein Kind herum. Ich bin den ganzen Morgen also vielleicht 15 Minuten zu ihm auf den Boden gesessen und dabei habe ich auch noch versucht, die Zeitung zu lesen. Ich bin eine Rabenmutter! Mir fehlt immer noch die Gelassenheit, im Chaos zu leben. Alles, was nicht an seinem Platz ist, muss bei mir einfach früher oder später herumgerückt werden. Furchtbar! Ob ich das je schaffe? Die Kollegin, bei der sich kürzlich um 14.30 Uhr noch die Teller vom Mittagessen auf dem Tisch stapelten (aha, es gab was mit Curry) und in deren Küche es meist aussieht, als würde dort ein ganzes Militär verpflegt, sollte ich mir zum Vorbild nehmen. Gut... da gibt's auch ne Putzfrau, die meine Kollegin vom Räumen abhielt und uns Spazieren schickte mit dem Versprechen, das Ganze schon sauber zu machen. Was sie dann auch tat. Was ich nicht verstehe: Genau diese Kollegin hat ein Kind, das so gut wie nie an der Mutter hängt und dass ich praktisch nie quengeln höre. Es ist ein sehr zufriedenes Mädchen, das sich meist seelenruhig dasitzend und in sich gekehrt mit sich und der Umgebung beschäftigt.
Unterdessen mache ich mir ernsthaft Gedanken darüber, ob sich mein Sohn vernachlässigt fühlen könnte und ob irgendwann die Strafe dafür ist, dass er mir nicht gehorcht und zu einem dieser "Saugoofen" wird, bei denen man immer die Eltern verachtet. Und meist die Mutter, die ist ja schuld.
Aber... Dann kam mir auch wieder die Aussage einer anderen Kollegin in den Sinn, deren Mutter in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Sohnes meinte: "Was du spielst mit Deinem Kind? Mit uns hat man früher nie gespielt." Unsere Eltern also und deren Grosseltern sowieso sind gänzlich anders aufgewachsen als heute. Als sie Babys waren, hat man sie wohl einfach versorgt, ansonsten aber ihrem Schicksal überlassen (z.B. das Weinen lassen, wenn sie nicht schlafen, unsereins macht das ja nicht mehr) und später, sobald sie alt genug waren um nützlich zu sein, mussten sie wohl täglich Frondienst leisten bis zum Schulbeginn. Ja, unsere Vor-Generationen hatten wohl auch gar keine Zeit und keine andere Wahl. Da wurde hart gearbeitet, Tag für Tag. Auf dem Feld und am Herd. Da gab es keine Spül- und Waschmaschinen, keinen Induktionsherd oder Food Processor. Haben unsere Eltern und Grosseltern deswegen einen Knacks erlitten, weil sich keiner gross mit ihnen beschäftigte und sie Wassereimer schleppen mussten? Wohl kaum. Im Gegenteil: Dadurch, dass sie nicht verwöhnt wurden wie wir und gehorchen mussten, sind die meisten fleissig und hilfsbereit und sehen, wo geholfen werden muss. Ich dagegen genoss als Einzelkind mit Mama, die zuhause blieb eine besonders wohlbehütete Kindheit, deren Folgen sind, dass ich es gewohnt war, dass man vieles einfach so bekommt und dass ich umsorgt werde. Oft bleibe ich noch heute ganz automatisch starr stehen obwohl es irgendwo um mich herum was zu tun gäbe. Doch da meine Mama immer alles für mich tat, merke ich das nicht. Es ist nichts Bösartiges, ich reagiere nicht mit Absicht nicht. Ich bin schlicht so "erzogen" worden wie man sagt. Etwas, dass man mir noch oft vorhält. Wohl zurecht. Aber um den Kreis zu schliessen: Ich denke trotzdem, dass mein Sohn mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Nicht zuletzt weil meine Lebensumstände nicht mehr die vom Anfang des 19. Jahrhunderts sind. Ich sollte mir die Zeit gefälligst schaffen, mich mit meinem Kind abzugeben. Und zwar bewusst. Und wenn es nur 15 Minuten sind. Ich hoffe ich kann meinen Vorsatz halten! Denn ich denke, dass gerade durch diese Aufmerksamkeit mein Kind auch irgendwann zu Gehorsam fähig ist. Wie das früher funktioniert hat, als die Kinder wohl viel weniger Liebe zu spüren bekamen (auch dadurch, dass sie so zahlreich waren), weiss ich auch nicht. Aber irgendwie ging's wohl auch. Meine Eltern und Grosseltern haben nicht mehr als die durchschnittlichen Knäckse... Aber einen Knacks, den haben wir ja nun wirklich alle irgendwie auf die ein oder andere Art, oder?

Wednesday, May 25, 2011

Wo ist nur die Zeit geblieben?
Heute muss ich auch noch meinen Senf zu diesem schwammigen Begriff der Quality Time dazugeben. Hat die überhaupt jemand, der Kinder hat? Ich meine jetzt nicht meine Quality Time, sondern die mit meinem Kind. Die Tage rauschen nur so an einem vorbei und man stellt fest, wie wenig man dabei das eigene Kind beachtet. Klar wickelt und füttert, spaziert und badet, zähneputzt und schöppelt, wäscht und zieht an. Aber dazwischen macht man auch hundert andere Dinge: Stellt Geschirr in die Spülmaschine, putzt x-mal den Dreck weg, den Baby macht, staubsaugt, köchelt (wenn auch nur minimal), wäscht Fläschchen ab, holt Post, kauft ein, geht aufs Klo, putzt Zähne (ja, so die wirklich notwendigen Basics der Körperpflege, ich glaube ich habe mit seit bald einer Woche die Beine nicht rasiert), macht Wäsche und verräumt sie, leert den Windeleimer und bringt den Müll raus, packt die Wickeltasche, giesst die Pflanzen (ups, sollte ich heute wieder. Nicht vergessen!), beantwortet Mails und Anrufe, liest die Zeitung (muss auch sein), leert die Babywanne, putzt das Klo und räumt die Schränke wieder ein, die Junior ausgeräumt hat bzw. räumt überhaupt das Chaos auf, dass er täglich in der ganzen Wohnung hinterlässt. Wo bleibt da bitte Zeit, in der man sich mit allen Sinnen auf das Kind konzentriert? Weil dazu kommt ja noch, dass ich mindestens zwei Mal täglich die Wohnung verlasse und wenn's nur ist, um bei Schwiegermuttern zu Mittag zu essen und andere Erledigungen zu tätigen. In der Zeit, in der ich Auto fahre, bin ich für den kleinen Kerl ja auch nur minimal verfügbar. Und wenn ich mal beschliesse, morgens nicht gleich aus der Wohnung zu flüchten, um irgendwas zu unternehmen, fängt der Kleine garantiert an zu quengeln, weil er schon alles ausgeräumt hat und ihn die Spielsachen nicht die Bohne interessieren. Also denk ich mir halt irgendwas aus, wohin ich mit ihm fahren könnte. Klingt nach furchtbarer Mutter, ich weiss. Die einzige Quality Time, die ich mit meinem Sohnemann geniesse, sind Playdates (aber nicht ganz, weil meist will man sich da ja mit den anderen Müttern unterhalten) und Krabbelgruppe, war mal das Babyschwimmen und ist der Abend nach dem Essen und dem Aufräumen wenn Papa auch da ist. Das ist fast der einzige Moment im ganzen Alltagsgewusel, indem wir uns bewusst zu unserem Sohn auf den Boden setzen und mit ihm spielen, ihm zuschauen, einfach sind. Und das tut eigentlich gut. Ich wünschte, ich könnte uns solche Momente öfter einräumen. Aber auch am Wochenende, wenn wir beide zuhause sind, beschränkt sich das meist auf den Abend. Ich habe ein irre schlechtes Gewissen deswegen, denke dann aber, dass andere ja auch einen Haushalt zu erledigen haben und vielleicht noch 2, 3 Kinder mehr, so dass die Quality Time pro Kind wohl auch auf ein Minimum reduziert ist. Trotzdem frage ich mich, ob's andere besser machen und ob ich da noch was lernen kann... Kommentare ausdrücklich erwünscht! :)

Thursday, May 12, 2011

Das Tief
Da bin ich heute hineingerutscht. Es gab eine Auseinandersetzung, die beiderseits sofort in Tränen ausartete, wie es bei Frauen nun mal der Fall ist. Es war keine Staatsaffäre aber dennoch fühlte ich mich danach miserabel und setzte den Tag mit verweintem Gesicht fort. Es gibt keinen Schuldigen ausser vielleicht ich selber. Ich hatte das unmittelbare Bedürfnis, mich bei einer Freundin auszuquatschen. Dabei fiel mir auf, dass ich eigentlich auf weiter Flur die Einzige bin, die sich mit derlei Problemchen rumschlägt. Wo sind eigentlich die Freundinnen abgeblieben, bei denen Du Dich ausheulen konntest während dem sie jedes Deiner Worte unterstreichen konnten. Gegenseitig verstanden wir uns blind und auf das "genau so geht es mir..." der einen folgte bald ein "genau so war's bei mir auch..." der anderen. Solche Gespräche wirkten Wunder, noch mehr als schwarze Schokolade. Doch wenn ich jetzt meine aktuellen Freundinnen durch gehe, stelle ich fest, dass Freundin A seit Ihrem Umzug ins gemeinsame Haus mit ihrem Freund plus Verlobung die Sonne aus dem A... scheint. Dass Freundin B, die passenderweise Psychologin ist, mich zwar immer bei meinen zwischenmenschlichen Problemchen berät, selber jedoch noch nie ein einziges Wort darüber verlor, selber in einer ähnlichen Situation zu stecken. Naja, vielleicht mal am Rande. Freundin C teilt immerhin ab und zu meine Mutter-Kind-Problemchen. Aber haben die nicht alle jungen Mütter mal? Und dann gibt es noch die anderen Frauen, die ein scheinbar perfektes Happy-Hippo-Leben führen. Ich nehme an, dass es auch dort hinter der Fassade manchmal Risse gibt aber entweder sind die nicht weiter schlimm oder werden einfach mit grösserer Fassung getragen...

Das Hoch  
Aber zum Glück gibt's auch gute Tage. Der Dienstag war so einer. Also der Abend. Wir hatten vom Karate Club aus Fototermin, wozu ich nach rund zwei Jahren zum ersten Mal wieder meinen Gi anzog und den braunen (Im Ernst, ich hatte fast vergessen, dass ich den hatte!) Gürtel umband. Allein das fühlte sich grossartig an. Fotos machen nicht, das tut es nie, aber es war ja schnell vorbei. Danach wollte ich eigentlich gleich wieder nach Hause, man soll ja als Mama seine Jungs nicht sich selber überlassen. Diese Rechnung machte ich ohne die "alten" Clubkollegen, welche ziemlich hartnäckig auf mich einredeten, doch zum Training zu bleiben. Bitte? Ich habe zwei Jahre lang keinen einzigen Mae Geri (Fusstritt gerade nach vorne) gemacht. Ok, im Boxen 2, 3 mal, das zählt aber nicht ;) Trotzdem reizte es mich ungemein. Nach einem Abcheck-Anruf zuhause hatte ich eine Erlaubnis mit der Einschränkung, bloss gut acht zu geben (aus der Erfahrung meiner besseren Hälfte, dass ich öfter mal mit blauen Flecken vom Training nach Hause kam). Aber beim Kämpfen wollte ich mich nach so langer Dojo-Abstinenz (dojo=Trainingshalle) sowieso erst mal fernhalten. Das Training war relativ locker, was es mir erlaubte, gut mitzumachen. Es war eine Offenbarung! Es war wie Fahrradfahren: Man verlernt es nie. Es war, als hätte ich nie aufgehört. Der Karate-Virus packte mich sofort wieder und ich würde am liebsten nächste Woche wieder hingehen und bis zu den eh baldigen Sommerferien dran bleiben... und vlt ab August dann auch noch ein bisschen. Aber ich schätze da mache ich die Rechnung ohne meine bessere Hälte. Aber ansprechen werde ich es schon. Am Schluss lande ich wahrscheinlich wieder bei Yoga aber das wollte ich ja sowieso ;)

Thursday, May 05, 2011

Am 6. Mai 2011 erscheint die erste Ausgabe des L-Magazins mit folgendem ersten Kolumnenbeitrag zum Mama Blog:
Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Tamara und ich bin seit einem Jahr Mutter. Schon viel länger schreibe ich und da mir das nach der Geburt meines Sohnes fehlte, habe ich mich ein halbes Jahr später, als ich wieder ein bisschen „Luft“ hatte, dazu entschlossen, einen „Mama-Blog“ ins Leben zu rufen. Darin schreibe ich über meinen neuen Alltag zwischen schlaflosen Nächten, Windelbergen, Spieltreffs und Breispuren auf dem ganzen Fussboden. Man könnte den Mama-Blog auch als Tagebuch bezeichnen, denn er ist nicht nur sehr persönlich sondern auch überaus ehrlich. Manch eine Mutter mag sich zwischen den Zeilen wieder finden, eine andere ärgert sich über meine Worte. Und das ist gut so, denn es ist nicht nur jede Frau und jedes Kind anders, sondern es geht auch jeder ganz anders mit der Elternschaft und den damit verbundenen Herausforderungen um.
Über ein Jahr ist vergangen seitdem ich nach einer wunderbaren Schwangerschaft mein erstes Kind gesund zur Welt brachte. Das klingt toll, trotzdem fühlte ich mich vom ersten Tag an und auch noch viele Wochen danach als hätte mich jemand splitternackt mitten in der Arktis ausgesetzt. Es war ein ziemlicher Schock, plötzlich Mama zu sein. Ganze zehn Monate „Angewöhnungszeit“, zig Bücher und ein Kurs haben es nicht geschafft, mich wirklich auf diese neue Situation vorzubereiten. Das erste halbe Jahr war ein kleiner Kampf gegen mich selbst – meinen Körper, meine Nerven, meine Bedürfnisse. Das Stillen war während der ersten Wochen ein Höllentrip, dass mein Kind nicht gut einschlief, liess mich die Haare raufen und dass ich für mich selber nicht die Bohne Zeit hatte, damit konnte ich kaum umgehen. Die ersten sechs Monate zogen sich deshalb dahin wie ein ausgeleierter Nylonstrumpf. Dann wendete sich das Blatt. Das Stillen war endlich vollkommen schmerzfrei und erfüllte mich mit den lange erhofften Glücksgefühlen. Das Kind lernte, nachts länger als zwei Stunden am Stück zu schlafen und schaffte es auch tagsüber, im Kinderwagen von selbst einzunicken. Und bald konnte ich mich mit entsprechender Betreuung auch wieder dem Sport und dem Arbeiten widmen. Ich konnte sogar auch mal abends weg. Derweil machte mein Sohn sichtlich Fortschritte. Begann zu robben, dann zu krabbeln, sich aufzuziehen und an Möbeln entlang zu gehen. Weil ihm schnell langweilig ist, sorgte ich für Programm. Besuchte da einen Kurs und traf mich hier mit Kolleginnen, die Babys im selben Alter haben. Die Zeit verging wie im Flug und die erste Kerze stand auf dem Kuchen. Und es ist als wäre es erst gestern gewesen, als mein Mann und ich nachts ins Krankenhaus fuhren um keine drei Stunden später unseren kleinen Schatz in den Armen zu halten. Ein neues Leben hat begonnen. Für uns alle! 
Link zum L-Magazin

Wednesday, May 04, 2011

Alle Neune

Im Gespräch unter Jung-Müttern kommt das Thema eigentlich immer zur Sprache. So auch heute. "Na, willst Du noch mehr Kinder?" Fazit: Die meisten Mütter wollen noch eins, also insgesamt zwei, hatten sich aber vor der Geburt tendenziell immer eins mehr, also z.B. drei, gewünscht. Manche sind sogar so beschäftigt mit dem ersten Kind, dass sie die Entscheidung, überhaupt noch eins zu bekommen, ziemlich gründlich überlegen und sie sagen sich sogar: Eins ist doch eigentlich auch schön. Wie konnte es passieren, dass nur zwei Generationen vor uns die Frauen ohne mit der Wimper zu zucken, neun Kinder auf die Welt schoben, lieben lernten und grosszogen? Man stelle sich das einmal vor: Neun hungrige Mäuler, ja eigentlich elf, denn Mama und Papa wollen auch essen. Und der Herd war nicht grösser als heute. Man stelle sich vor was für eine Menge an Lebensmittel da täglich, wöchentlich angeschafft oder produziert werden mussten. Man stelle sich vor, wie viele tausend Windeln gewechselt werden mussten. Windeln aus Stoff!!! Berge an Wäsche und die mussten dann auch noch aufgehängt werden. Kein Tumbler der Energieeffizienzklasse A. Wie viele Liter Milch gefüttert werden mussten. Wie viele Monate man schwanger war. Wie viele Hausaufgaben angeschaut werden mussten. Wie oft man Pflaster kleben musste, wie oft zeigen, wie man Schuhe bindet, wie oft Haare bürsten, Hände waschen, Zähne putzen... Wenn ich heute meine Oma frage, wie sie das mit neun Kindern geschafft hat, zuckt sie nur mit den Schultern. Sie hat offenbar vergessen, wie das war und lächelt nur, dass sie mich überhaupt nicht als "Mütterchen" vorstellen konnte. *grmpf* Also entweder war meine Oma eine Superheldin mit Superkräften und Energie für zehn (lag's an den Kartoffeln?) oder wir heutigen Mütter sind lasche Schlappschwänze, total unbelastbar, elende Geschöpfe, einfach bemitleidenswert. Oder es war früher einfach alles besser. Einfacher. Vielleicht weil man die Kinder von Anfang an viel strenger erzog und weil sie von Anfang an mithelfen mussten wie Knechte und Mägde. Vielleicht weil die kleineren Kindern von den Grösseren betreut wurden. Vielleicht weil man die Kinder ziemlich sich selber überliess und das Vertrauen in sie hatte, dass es gut kommt. Und ist unsere Eltern sind ja gut gekommen, oder? Früher gab es ja auch nicht tausend Ratgeber und Meinungen und sogenannte Experten, die's gut meinten. Dafür die Grossmutter, die Magd, die Tante und der Pfarrer, die bei der Erziehung halfen. Und wie man in einem Interview mit der Psychologin Gaby Gschwend im Migros Magazin richtig nachlesen kann, war "Mutterschaft ja noch nie so isoliert wie heute, wo Frauen nicht mehr gemeinsam erziehen. Wenn eine Frau mit ihrem Kleinkind Tag für Tag allein in der Dreizimmerwohnung sitzt, generiert das Frust." Und ist anstrengend. Es lebe die Gemeinschaftserziehung. Nur will heute niemand mehr, mit der ganzen Sippe unter einem Dach leben. Also muss wohl oder übel die Krippe ein Stück weit diese Gemeinschaftserziehung simulieren. Und/oder dann wieder könnten sich Mann und Frau die Erziehung aufteilen. Beide arbeiten rund 60%, das heisst je 3 Tage. Jeder hat also 2 Tage mit dem Kind und 1 Tag ist das Kind in der Kita oder entsprechend mehr, falls mehr als 60% gearbeitet wird. Das alles würde den genannten Frust reduzieren.

Dennoch: Wer heute mehr als drei, vier Kinderlein bekommt, ist... entweder ein totales Familientier ohne jegliche Ich-Bedürfnisse, hat Energieüberschuss und kommt mit 4 Stunden Schlaf bestens aus oder lebt in einer WG und teilt sich die Erziehung mit mehreren, anderen Erwachsenen. Hmm... Würden wir mit unseren kinderlosen Freunden zusammenleben und sie sich an der Erziehung beteiligen, also auch ihren Part für die Zukunft der Menschheit und für eine florierende Wirtschaft leisten würden, ja, wäre das nicht ein salonfähiges Modell?

Und trotzdem: Es ist immer noch der Körper der Frau, der dauerschwanger ist, im schlimmsten Fall also dauernd kotzt und danach dauernd stillt und Alkohol nur aus der Werbung kennt. Und wie ausgeleiert sich alles nach neun Geburten anfühlt, will ich gar nicht wissen. Ich schätze, Beckenbodentraining war früher nicht minder ein Fremdwort wie Töpfchentraining.

Und nichtsdestotrotz; Ich bewundere meine Oma. Sie hat neun Kinder auf die Welt gestellt. Die haben wiederum Kinder und auch die Kinder haben Kinder. Eine riesige Familie. Ein schönes Gefühl. Und obwohl meine Oma kleiner ist als ich, habe ich bei solchen Familienanlässen immer zu ihr aufgeschaut. Nur dank ihr allein (naja und Opa hat auch was beigetragen ;), waren all diese unterschiedlichen Menschen da. Und sie sass immer seelenruhig wie ein Fels in der Brandung mittendrin und genoss. Zufrieden. Mit sich und mit ihrer Arbeit. Sie muss Unglaubliches geleistet haben.

Turbulent

Eigentlich bin ich zu müde zum bloggen aber da nichts schlimmer ist als ein Blog, der nicht aktuell gehalten wird... naja ;) Man verzeihe es mir, denn diese Woche war schon ziemlich heftig. Es begann am Sonntagabend mit einem Anruf meines Bruders aus dem Spital. Wir wollten nach unserer erfolgreichen Slow-up-Beteiligung (fuhren mit einem Kollegen von Gamprin-Bendern aus über Ruggell, Sax, Gams nach Buchs, machten in Schaan Halt und dann gings wieder nach Hause. Es war toll) nur noch unseren Sohn zu Bett bringen und dann die Füsse von uns strecken, da erfuhr ich, dass mein Bruder auf dem Nachhauseweg des Slow up's schwer stürzte. Warum er trotzdem nach Hause wollte und nicht im Spital blieb wo er bestens versorgt werden konnte, ist mir ein Rätsel. Aber es war sein Wunsch und da mein Vater nicht im Lande weilt, übernahm ich seine Pflege. Zwar mehr schlecht als recht aber, sagen wir mal so, ich tat, was ich konnte. Als wäre das nicht genug Krankheitsfall weinte sich unser Sohn durch die Nacht vom Montag durch und auch eine doppelte Dosis Schmerzmittel (zahnt er? Hat er Bauchweh?) half nicht wirklich. Nach so einer Nacht überrascht er mich in der Regel am morgen quiekfidel und in bester Spiellaune. Diesmal nicht. Er weinte weiter und wollte nur auf meinem Arm sein. Griff kurzerhand zum Telefon und war (Überraschung!) die erste in der Praxis des Kinderarztes. Ein Zäpfchen half dann und heute war der Kleine schon fast wieder der Alte. Sogar gestern Nacht weckte er uns nicht öfter als üblich (also etwa drei mal). Trotzdem fehlten mir auch heute noch die verpassten Schlafstunden und ich hing am Nachmittag (schon wieder) wie eine tote Fliege beim Playdate. Furchtbar! Naja, ich konnte gestern ja auch nicht wirklich ausruhen. Am Nachmittag rief die Arbeit und am Abend vereitelte mein Mann den Plan, um 20 Uhr schon das Licht zu löschen. Übrigens verstehe ich jetzt, wieso Mütter so ungern zur Arbeit gehen, wenn das Kind krank ist. Ich fühlte mich gestern als die grösste Rabenmutter als ich meinen Sohn weinend in den Armen der Tagesmutter zurückliess. Er wollte bei mir sein, es ging ihm schlecht und ich ging. Gibt es etwas Schlimmeres? Ich dachte, der Job-Termin würde komplett mies laufen. Aber tragischerweise vergisst man, einmal abgelenkt, ziemlich schnell, dass man Mama eines kranken Kindes ist und konzentriert sich auf die Arbeit. Gut ist das nicht, finde ich.